2007-12-31
2007-12-24
Das gute Ende
Nach kurzer Zeit trifft eine Rettungspatrouille ein. Erfahrene Bergführer mit Rettungsgerät und Verbandszeug. Doch sie gelangen nicht direkt zur verunglückten Snowboarderin. Sie müssen abseilen. Ein Bergführer packt ein langes Seil aus und kommt mit kritischem Blick auf unsere Fichte zu. „Der will doch nicht etwa...“, doch bevor sie den Satz fertig machen kann, greift er prüfend an ihren Stamm und brummelt etwas von: „Doch, doch, das wird schon halten...“ Er knotet das Seil um ihren Wurzelstock und verschwindet hinter dem Felskamm. Als der Bergführer mit vollem Gewicht in das Seil liegt, um zur Verunglückten zu kommen, schreit die Fichte vor Schmerz auf. Das Reissen und Zerren ist kaum auszuhalten. Doch sie hält stand und die Snowboarderin kann geborgen werden. Die Nachricht von der mutigen Rettung durch die Fichte verbreitet sich schnell im Lawinenwald. Das muss gefeiert werden. Die Bergdohlen bringen Partysnacks und die Rehe kümmern sich um das Flüssige. Nach dem Eindunkeln sorgen Leuchtkäfer für die Effekt-Beleuchtung und die bekannte Eulenband spielt auf: „It's a night to remember...“
2007-12-23
Das bittere Ende des Tannenbaums
Kurz nach Weihnachten wird der Fichte der ganze Schmuck schon wieder abgerissen. Sie wird am Schopf gepackt und hinter die Garage neben den Kompost gestellt. Als sie sich umblickt, erschrickt sie so stark, dass sie gut ein Viertel ihrer Nadeln fallen lässt. Neben ihr stehen drei Skelette, die sie mit finsteren Augen anstarren. Das zweite Viertel Nadeln verliert sie, als eines der Skelette mit dunkler Stimme zu reden anfängt: „Willkommen im Club! Wir sind die Tannenbäume der letzten Jahre.“ „Hört endlich auf mich zu erschrecken!“, sonst verliere ich noch den Rest meiner Nadeln!“ schreit ihm die Fichte entgegen, und fügt an: „Schliesslich will ich nicht so enden wie ihr.“ „Zu spät... wahrscheinlich hat es dir noch niemand gesagt, aber ohne Wurzeln wirst du keine Nahrung mehr erhalten und so wie wir langsam verdorren“, antwortet das Skelett. Die junge Fichte senkt den Kopf und als sie ihren abgesägten Fuss betrachtet, kullert eine dicke Träne über ihre Äste und versickert zwischen den abgefallenen Nadeln im Boden.
2007-12-21
Die Snowboarder
In den Bergen scheint die Sonne. Und wie so oft an solchen Tagen, fahren Menschen mit ihren Snowboards mitten durch die Fichten im Lawinenschutzwald. Die Bäume mögen die Snowboarder. Sie finden es spannend, wie sie durch den Schnee sausen und lachen herzlich wenn wieder mal einer stürzt und in einer Wolke von Pulverschnee versinkt. Jeder Baum hat so seine Favoriten und während die Boarder auf dem Skilift sind, schliessen die Bäume Wetten ab, wen es als nächstes erwischen wird. Aber heute geht etwas schief, eine junge Snowboarderin stürzt und fällt neben unserer Fichte die Felswand hinunter. Der Aufprall, die Schreie und wie die anderen Boarder mit ihren Mobiltelefonen die Rettungstruppen alarmieren – die Bäume verfolgen das Geschehen gespannt und hoffen, dass es ein gutes Ende nehmen wird.
2007-12-20
Weihnachtsabend
Das mit dem geschmückt werden, hat sich die junge Fichte lustiger vorgestellt. Aus pädagogischen Überlegungen entschied sich ihr Käufer, den Weihnachtsschmuck zusammen mit seinen Kindern an dem Baum zu befestigen. Die Kinder waren zu klein und zu ungeschickt, um das professionell und schmerzlos auszuführen. Einmal kippte der Baum sogar um, weil der Sohn der Familie alle Kerzen auf der selben Seite befestigte. Aber der demütigendste Moment für unsere Fichte kam mit dem Weihnachtsabend. Der Schmuck war einigermassen komplett und die Kerzen wurden angezündet. Doch anstatt sie als Star zu feiern, war die ganze Famile nur auf die Geschenke fixiert. Keiner beachtet ihren schönen Wuchs, die regelmässige Nadelverteilung und ihre gut trainierten Äste. Es ist ein harter Moment, wenn man realisiert, dass man die eigentlich nur die Dekoration ist.
2007-12-19
Gerettet
Mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht das Reh. „Guten Morgen, gut geschlafen?“ versucht die Fichte mit ihrer freundlichsten Stimme den Kontakt aufzunehmen. „Ja, danke! Gestern habe ich mich verlaufen und habe geglaubt, dass ich im Schnee erfrieren muss. Deine Zweige haben mir das Leben gerettet!“ Das freut die Fichte und lässt sie ihre abgenagten Zweige vergessen, die wachsen ja wieder nach. Die Beiden plaudern noch eine Weile miteinander und zum Abschied pinkelt das Reh an die Wurzeln des Baumes. Für uns Menschen wäre das eine Beleidigung, aber Bäume mögen das. Für sie ist guter Dünger eine Delikatesse, wie für uns zum Beispiel ein Schokoladen-Mousse.
2007-12-18
Lebe deinen Traum
Immer wenn ein Kunde an den Marktstand mit den Weihnachtsbäumen kommt, werden die jungen Fichten ganz nervös. Die Stimmung ist wie an einer Castingshow des Fernsehens. Alle spreizen ihre Nadeln, schwellen die Brust und sagen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln: "Hol mich hier raus, ich bin ein Star!" Als unsere Fichte endlich gekauft, in ein weisses Netz gesteckt und abtransportiert wird, jubelt sie, als wäre sie ein Sportler, der eine Goldmedaille gewinnt: "Ich kann meine Gefühle im Moment noch gar nicht beschreiben! Ich wusste, dass es eines Tages schaffen würde! Ich danke meinen Fans! Und an euch alle die es noch nicht geschafft haben: Verträume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!"
2007-12-16
Besuch
Mittlerweile erträgt die junge Fichte im Lawinenschutzwald die drückende Last des Schnees schon etwas besser. Sie weiss, dass ohne ihren Einsatz, die Menschen im Tal vom Schnee getötet würden. Aber manchmal ist es halt doch ein bisschen langweilig und sie wünschte sich ein bisschen Abwechslung. Kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, raschelt es im Gebüsch oben am Grat. Ein Reh stolpert mühsam durch den Schnee. Es sieht ausgehungert aus, und der Atem geht schwer. Mit letzter Kraft hüpft es an den geschützten Platz unterhalb der jungen Fichte und beginnt an den frischen Zweigen zu knabbern. „Hey das kitzelt“, sagt sie und denkt, dass sie sich die Abwechslung anders vorgestellt hätte. Nach der Mahlzeit lässt sich das Reh zu den Wurzeln der Fichte fallen und schläft sofort ein. Mit dem Eindunkeln kommt ein kühler Wind auf. Die junge Fichte breitet ihre tiefsten Äste deckend über das Reh und hofft, dass es die Nacht überstehen wird.
2007-12-15
Das grosse Vorbild
Das Abtrennen der Wurzel hat für einen kurzen Moment weh getan, aber die Fahrt mit dem Laster war cool. Jetzt steht die junge Fichte an einem Marktstand mitten in der Stadt. Direkt in ihrem Blickfeld sieht sie ein Werbeplakat, das ihr Herz zum hüpfen bringt. Dort ist auch eine Fichte abgebildet, aber diese Fichte hat's echt geschafft. Sie trägt jede Menge „Bling Bling“: Rote und silberne Kugeln, rauschendes Lametta, angehängte süsse Lebkuchen, jede Menge echter Kerzen und zur Krönung zuoberst einen glänzenden goldenen Stern! Unsere junge Fichte wünscht sich von dem Moment an nichts sehnlicher, als auch einmal solch ein Baum zu werden. Und jetzt mal ehrlich: Reich sein und bewundert werden, wer würde sich das nicht auch wünschen?
2007-12-14
Weltumrundung: Zu Fuss!
Über Freunde von mir habe ich Peter Egger kennen gelernt. Er hat sich entschlossen loszulaufen, um die Welt zu Fuss zu umrunden. Start der grossen Reise war der 20.11.2007
Auf dem Bild ist Pesche beim Start seiner Reise. Auf dem Brett steht: "Startholz von Egger Peter." Weiter ist am oberen Ende eine senkrechte Linie eingefräst. Links davon ein Pfeil, der nach Osten zeigt, mit dem Datum vom 20.11.2007. Pesches Ziel ist, von der anderen Seite her kommend, wieder einen Pfeil und ein Datum einzufräsen. Ich wünsche ihm Glück!
Pesche hat mir versprochen von Zeit zu Zeit Mails über den aktuellen Stand seiner Reise zu senden. Ich werde in dieser Kategorie in loser Folge darüber berichten.