Zu Auffahrt
Meine Schwester ist in den Himmel aufgefahren. Es geschah am 18. März 2008. Sie stieg in ein Flugzeug und donnerte mit lautem Dröhnen in die Wolken. Ihre drei letzten Worte waren:
1. Ich bin jederzeit per SMS erreichbar.
2. Ich habe Skype.
3. Ich werde im August so zurückkommen, wie ich gegangen bin.
Jesus ist auch in den Himmel aufgefahren. Es geschah in den dreissiger Jahren des ersten Jahrhunderts. Er redete mit seinen Freunden und wurde darauf vor ihren Augen in die Wolken entrückt. Seine letzten Worte waren:
1. Ich bin jederzeit per Gebet erreichbar. (Matthäus 28.20)
2. Ich werde auf wunderbare Weise mit euch in Verbindung bleiben. (Lukas 24.49)
3. Und durch Engel liess er ausrichten: Ich werde eines Tages so zurückkommen, wie ich gegangen bin. (Apostelgeschichte 1.11)

Gewaltverzicht in Moskau
Pesche hat sich entschieden, die Welt zu Fuss zu umrunden. Mittlerweile hat er wohl Kasan, eine Stadt ca. 1000km östlich von Moskau, erreicht. Im Moment macht er keine einfache Zeit durch. Er wird oft von echten und falschen Polizisten kontrolliert, flüchtet vor Kriminellen und ist sich seines Lebens nicht mehr sicher. Wer die vorherigen Beiträge in dieser Kategorie gelesen hat weiss, dass sich Pesche einen schweren Wanderstock zugelegt hat, um sich wehren zu können. Doch jetzt, wo es wirklich gefährlich wird, hat er sich von seinem Stock getrennt. In der Nähe von Moskau hat er ihn weggeworfen. Auslöser war ein Handyvideo aus dem Tschetschenien-Krieg, das ihm ein Russe an einer Tankstelle gezeigt hat. In dem Video war brutalste Gewalt zu sehen. Die Szenen begleiteten Pesche tagelang auf seinen Wanderungen. Plötzlich übermannten ihn die Tränen. Er rannte auf die Wiese und kniete sich ins Gras um zu weinen. Dort entschied er sich zum Gewaltverzicht. "Vergeltet nicht Böses mit Bösem!" Dieses Bibelwort aus 1. Petrus 3.9 sollte sein Motto sein. Wenn das nur gut geht!
Das geistliche Festessen
Erinnerst du dich an dein letztes Festessen? Ich schon: Zum Apéro gabs einen Prosecco mit einem Schuss Pfirsichsirup. Dann der gemischte Salat mit Hausdressing. Die Hauptspeise war ein besonderes Cordon-Bleu mit Lenker Blauschimmelkäse und zum Dessert gabs ein hausgemachtes Eis mit süssen Schnipseln irgendwas.
Erinnerst du dich an dein letztes geistliches Festessen? Ich schon: Zum Apéro gabs eine freundliche Begrüssung mit einem Schuss Fröhlichkeit. Dann eine gemischte Liedauswahl mit der Hausband. Dann zur Hauptspeise eine Begegnung mit Gott im Gebet. Als zweite Hauptspeise ein Gedanke über Gottes Gerechtigkeit, der mir immer noch nachhängt. Und zum Dessert ein lockeres Gespräch am Ausgang.
Mein letztes geistliches Festessen war ein gewöhnlicher Sonntag-Morgengottesdienst. Erhalten habe ich es in einer der unzähligen geistlichen Filialen auf Erden. Dieser Gedanke ist auch im 4. Gebot enthalten. Am Ruhetag soll ein Festessen auf dem Programm stehen.
Darf man am Sonntag einkaufen?
Darf man am Sonntag den Rasen mähen?
Darf man am Sonntag einen Nagel einschlagen?
Darf man am Sonntag eine Bergtour machen?
Darf man am Sonntag lärmen?
Darf man am Sonntag rasieren?
Darf man am Sonntag ein Kind wickeln?
Darf man am Sonntag ein Kind zeugen?
Diese "darf man?"-Fragen riechen nach pingeliger Gesetzlichkeit. Wer genau wissen will, mit welchem Schritt er Gott böse macht, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden. Die 10 Gebote sind nicht 10 Tricks, wie ich einen zornigen Gott gütig stimmen kann. Gott ist Gnade und in Jesus hat er sie uns Menschen zugänglich gemacht. Es geht nicht um Gott, sondern es geht um mich. Die Frage muss nicht mit "darf ich", sondern mit "tut es mir gut, wenn ich" beginnen.
Was ist am Sabbat erlaubt?
Entspannen an einem freien Tag bedeutet für jeden etwas anderes. Wer die ganze Woche Bäume gefällt hat, der findet es spannend, am Wochenende "Panini-Bildli" einzukleben. Und wer die ganze Zeit am Computer sitzt, geniesst die Freizeit mit einem Waldspaziergang. Es wäre also unsinnig, das Sabbatgebot auf eine Liste mit vielen "du darfst" und "du darfst nicht" zu reduzieren. Jesus hat das auch nicht gemacht. Im Markusevangelium 2.27 sagt er: "Der Sabbat wurde doch für den Menschen geschaffen, und nicht der Mensch für den Sabbat!"
Das ist auch das Kriterium, das entscheidet, was eine Pause ist: "Alles, was mir gut tut!"
Für Worcaholics
Wer nonstop arbeitet und sich keine Pause gönnt, gibt durch sein Handeln eine Botschaft weiter. Sie lautet: "Ich werde gebraucht. Ich bin wichtig. Ich bin unersetzlich. Wenn ich nicht da bin, geht die Welt unter."
Wer sich keine Pause nimmt, der nimmt sich selbst zu wichtig. Wer glaubt, dass die Welt ohne ihn nicht mehr weiter dreht, der hält sich offensichtlich für Gott.
Arbeit ist nicht das Beste
In den ersten Zeilen der Bibel ist beschrieben, wie Gott die Erde schuf: Licht von der Dunkelheit scheiden, Wassermassen dirigieren, Blumen und Bäume konstruieren, Tiere zum Leben erwecken und darauf achten, dass sich nicht alle gleichzeitig auffressen - eine spannendere Arbeit, als die Welt zu erschaffen, kann ich mir nicht vorstellen. Kann es etwas Besseres geben?
Ja, es gibt etwas Besseres. Nach sechs Tagen harter Arbeit kommt der siebte Tag. Jetzt wird zurückgelehnt und gefeiert. Auf jede Arbeit muss eine Pause kommen. Das ist es, was uns Menschen vom Zahnrad unterscheidet.
Arbeit ist kein Fluch
"Wir leben nicht um zu arbeiten - wir arbeiten um zu leben!" Dieser beliebte Spruch ist doof. Er sagt aus, dass Arbeit ein notwendiges Übel ist, das wir möglichst schnell erledigen müssen, um dann das wahre Leben zu geniessen. Wer das dritte Kapitel des ersten Mosesbuches oberflächlich liest könnte zu diesem Schluss kommen. Adam und Eva genossen das schöne Leben im Paradies, und nach dem Sündenfall mussten sie zur Strafe arbeiten. Wenn wir aber die Verse 17-19 in diesem Kapitel genau lesen, steht da nichts davon, dass die Arbeit die Strafe ist. Der Fluch ist die Mühsal bei der Arbeit und nicht die Arbeit selbst.
Eine sinnvolle Arbeit, die mich angemessen fordert und bei der ich mich kreativ einbringen kann ist besser, als das blosse herumhängen - Arbeit erfüllt und macht Spass! Wäre es nicht grossartig, wenn jeder Mensch eine Arbeit hat, die zu ihm passt und die er gerne macht?
Man kann nicht ewig Urlaub machen
Luke Pittard aus Cardiff hat im Lotto gewonnen. So richtig viel Geld - genügend um nicht mehr arbeiten zu müssen. Doch schon bald wurde ihm langweilig und er ging zurück zu seinem alten Arbeitsplatz: Hamburger verkaufen. Sein Kommentar dazu: "Man kann doch, ehrlich gesagt, nicht ewig Urlaub machen."
Recht hat er. Arbeit gehört zu einem erfüllten Leben. Ein Lebensstil, wie ihn der Kater Garfield pflegt, macht auf Dauer unglücklich.
Unser Verhältnis zu Arbeit ist das Thema des vierten Gebotes. Hier der Wortlaut, wie er im zweiten Mosesbuch, Kapitel 20 steht: "Achte den Sabbat, als einen Tag, der mir allein geweiht ist! Sechs Tage sollst du deine Arbeit verrichten, aber der siebte Tag ist ein Ruhetag, der mir, dem Herrn, deinem Gott gehört. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du noch deine Kinder, weder dein Knecht noch deine Magd, auch nicht deine Tiere oder der Fremde, der bei dir lebt."
Der Unterschied von Bitte und Gebet
Letzen Sonntag predigte ich über 1. Timotheus 2.1. Dort werden vier Gebetsarten unterschieden: Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung. Dank und Fürbitte zu unterscheiden fiel mir leicht, aber was ist der Unterschied zwischen Bitte und Gebet?
Die Bitte kommt aus einem aktuellen Anlass. Ich habe ein Bedürfnis und bitte Gott, dass er mir hilft. Gebet ist Reden mit Gott, auch wenn es dazu gar keinen Anlass gibt. Ich spreche mit Gott, weil ich mit ihm sprechen will und nicht um ihn für meine Zwecke einzuspannen.
Wenn ich zu einem Menschen eine Beziehung aufbaue, die nur aus Bitten besteht, dann wird diese Beziehung nicht lange halten. Zu einer lebendigen Beziehung gehört auch das Reden ohne Anlass. Zusammen plaudern, ohne ein Ziel zu verfolgen. Dasselbe gilt für meine Beziehung zu Gott. Wenn ich zu ihm eine lebendige Beziehung aufbauen will, muss ich mich auch mal ohne Hintergedanken mit ihm verabreden.