Weihnachten muss nicht besinnlich sein!
Die Idee, dass die Weihnachtszeit ruhig und besinnlich sein soll, finde ich nett, aber sie trifft den Kern der Weihnachtsbotschaft nicht. Im Johannesevangelium ist das Weihnachtsgeschehen mit folgenden Worten umrissen: "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns." (Johannes 1.14) Mit dem Wort ist Gott gemeint. Und in Jesus ist Gott Mensch geworden. Er liess seinen Worten Taten folgen. Weihachten bedeutet, dass den Worten von Liebe, Erbarmen, Frieden, Hoffnung und Licht auch Taten folgen.
Darum keine Sorge, wenn Weihnachten heuer nicht besinnlich ist. Viel wichtiger ist, dass du dem Wort erlaubst Fleisch zu werden. Heute, hier und jetzt. Zum Beispiel dass du etwas tust um Frieden in deinem Beziehungen zu erleben. Sag dem Egoismus tschüss und umarme dieser Tage die Selbstlosigkeit. Oder dass du dir ernsthaft überlegst, wie du nächstes Jahr monatlich mit deinem Geld jemandem helfen kannst. Lass die Almosen und engagiere dich nach deinen Möglichkeiten regelmässig um die Not zu lindern. Oder dass du eine offene Tür für deine fremdsprachigen Nachbarn hast. Lass die Kaltschnäuzigkeit und geh mal drüben klingeln.
Eine aussergewöhnliche Schwangerschaft!
Genau gleich wie in der Weihnachtsgeschichte bei Maria und Josef ist es nicht passiert. Trotzdem bezeichnet Elisabeth* ihren halbjährigen Sohn Samuel* als ein grosses Wunder. Angefangen hat ihre Weihnachtsgeschichte im Jahr 2002, als sie ihren Mann heiratete. Damals waren die beiden je 34 Jahre alt. Der Kinderwunsch wurde bald nach der Hochzeit ein Thema und das Paar versuchte schwanger zu werden. Nach zwei Jahren vergeblichem Warten entschlossen sie sich, die Ursache der Kinderlosigkeit medizinisch abzuklären. Der Arzt erklärte ihnen, dass sie auf natürlichem Weg kaum Chancen haben ein Kind zu haben. Die Methoden der modernen Fortpflanzungsmedizin auszureizen war ihnen aus ethischen Gründen zuwider. Sie wollten keine künstliche Befruchtung mit ungewissem Schicksal von einzelnen Embrionen. Weiter hatten sie Respekt vor dem Stress, den solch eine Behandlung mit sich bringt. Sie wollten nicht, dass sich ihr Leben so stark um den unerfüllten Kinderwunsch dreht.
Elisabeth berichtet, dass sie in dieser Zeit viele Aufs und Abs erlebte. Mal war der Kinderwunsch drängend und es fiel ihr schwer die Situation zu akzeptieren. Mal war das Thema nicht mehr so im Zentrum und sie schätzte ihre Möglichkeiten als kinderloses Paar. In dieser Zeit betete Elisabeth oft. Sie bat darum, dass wenn es Gottes Wille sei, dass sie ein Kind bekomme, dass da nichts im Weg sein soll. Während einer besonders stressigen Zeit bemerkte sie plötzlich einen Druck in der Gegend des Bauchnabels. Sie spürte, dass sich da etwas veränderte, von dem sie annahm, dass sie damit über kurz oder lang zum Arzt musste. Sie wusste nicht, was sich da in ihrem Bauch regte, aber ein Baby konnte es nicht sein. Auch als darauf die Monatsblutung ausblieb, dachte Elisabeth überhaupt nicht an eine Schwangerschaft. Alle äusseren Anzeichen sprachen zu dieser Zeit dagegen. Und sogar nachdem ein Schwangerschaftstest positiv ausfiel, blieb Elisabeth skeptisch. Beim Besuch des Gynakölogen machte das Ultraschallgerät dann alles klar. Neben einer grösser werdenden Muskelgeschwulst (Durchmesser 10 cm), die den Druck auf den Bauchnabel verursachte, wuchs ein schon elf Wochen altes Baby heran. Es war der kleine Samuel – Ein aussergewöhnliches Wunderkind.
* Namen geändert
Gott im Dreck
Mirjam Kyburz ist heute 26 Jahre alt. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof in Rutschwil im Kanton Zürich. Als 12-jähriges Mädchen verbrachte sie Ihre Freizeit häufig im Pferdestall. Sie liebte ihre eigenen zwei Pferde und besuchte regelmässig Reitkurse. Später gab sie Reitunterricht für andere. Ein Grossteil ihres Lebens drehte sich um den Reitsport. Im Sommer 2007 Entschied sich Mirjam für eine radikale Wende in ihrem Leben. Sie hatte genug davon, verwöhnten Mädchen Reitstunden zu geben. Viel lieber wollte sie randständigen Menschen helfen. Dazu zog sie vom Lande mitten in die Stadt Zürich. Sie heuerte bei „Operation Mobilisation“ für ein ganzes Jahr als Mitarbeiterin in der Gassenarbeit an. Da arbeitet sie jetzt einen Tag in der Woche in der Anlaufstelle „Chrischtehüsli“. An den anderen Tagen begleitet sie Süchtige zu verschiedenen Ämtern sowie Entzugs- und Therapieangeboten. Sie macht Deutschkurse für Fremdsprachige, betreut Kinder von Alleinerziehenden und Abends schliesst sie sich den Teams der Heilsarmee an, die Frauen in der Prostitution besuchen. Letzte Woche habe ich mit Mirjam ausführlich über ihre Arbeit gesprochen. Sie erzählte mir ein Erlebnis, das eine echte Weihnachtsgeschichte ist. Während der Gassenarbeit wurde Mirjam von einer 40-jährigen drogenabhängigen Frau zu sich nach Hause eingeladen. Die Frau wohnte in einer BEWO (betreutes Wohnen). Nebst einer gemeinsamen Küche haben randständige Menschen dort ein Zimmer mit Lavabo, Bett, Schrank und Stuhl zur Verfügung. Im Zimmer der Frau angekommen hatte Mirjam zuerst mit starken Ekelgefühlen zu kämpfen. Der Boden war vor Schmutz so matschig wie eine nasse Wiese. Überall verstreut lagen gebrauchte Spritzen und das Lavabo war rot verschmiert. Mirjam hoffte, dass das nur Tomatensauce war. Diese Frau in ihrem Elend zu sehen berührte das Herz von Mirjam und sie bekam Mitleid. Sie erinnerte sich an das Bibelwort in dem Jesus sagt: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Math. 25.40) Plötzlich veränderte sich ihre Sichtweise. Sie schaute nicht mehr auf den Dreck, sondern sie hatte das Gefühl in dieser Frau Jesus zu sehen. Obwohl sie sich innerlich dagegen sträubte sagte sie zu der Frau: „Soll ich dir beim Putzen helfen?“ Und die beiden begannen das Zimmer aufzuräumen und das verschmierte Lavabo zu reinigen. Was mich an der Haltung von Mirjam besonders erstaunte ist, dass sie sich anschliessend von der Frau beschenkt fühlte. Sie sagte: „Eigentlich wollte ich der Frau helfen, aber ich habe gemerkt, dass diese Frau mir selbst geholfen hat. Sie nicht als Minderwertig zu betrachten und ihre Not zu teilen, war für mich eine so starke Erfahrung – selten hat mich etwas derart berührt.“ Sich nicht über die Notleidenden zu stellen, sondern mittendrin ihre Schweirigkeiten zu teilen, das erinnert mich ganz deutlich an das Geschehen von Bethlehem. Gottes Sohn wird in einem dreckigen Stall geboren. Besser kann man Mitgefühl nicht veranschaulichen.

Das ist Mirjam Kyburz, wie ich sie letzte Woche in Bern angetroffen habe.
Der Regierungsberater aus dem Osten
Im Krippenspiel sind sie immer am besten angezogen: Die drei Könige. Die Bibel spricht von Magiern aus dem Osten. Es ist anzunehmen, dass es sich um wohlhabende einflussreiche Personen gehandelt haben muss. Sie machen sich auf eine weite Reise um mehr über Jesus zu erfahren.
Zur Zeit biete ich einen Alphalive-Kurs für Fremdsprachige an. Einer der Kursbesucher ist Shahverdi Ahadov aus Aserbaidschan. Er hat mir die Erlaubnis gegeben, seine Geschichte hier mit Namen und Bild zu erzählen.
Bis vor drei Jahren war Shahverdi Ahadov stellvertretender Minister für Wirtschaftsentwicklung in Aserbaidschan. Die dortige Regierung besteht aus circa 20 Ministern (bei uns Bundesräte) und jeder von ihnen hat 2-3 Stellvertreter. Shahverdi Ahadovs Minister wurde beschuldigt, zu eng mit westlichen Regierungen zusammen zu arbeiten und eine Revolution im Stile der „Orangen Revolution“ in der Ukraine zu planen. Deswegen wurde der Minister verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Shahverdi Ahadov konnte sich der Verhaftung entziehen und floh in die Schweiz. Im Januar 2007 landete er in Basel und stellte einen Antrag auf politisches Asyl. Bis heute ist sein Gesuch hängig und er lebt von der Nothilfe, die ihm das Bundesamt für Migration gewährt. Er wurde als Muslim erzogen, sieht sich selber aber als tolerant und offen für verscheidene Wege zu Gott. In der Schweiz kam er mit dem Flüchtlingshilfsdienst „Elim Open Doors“ in Basel in Kontakt. Dort konnte er seinen ersten Deutschkurs machen und begann sich für den christlichen Glauben zu interessieren. Als er nach einiger Zeit in ein anderes Durchgangszentrum umgeteilt wurde, suchte er sich erneut eine Möglichkeit in der Region Bern einen Kurs über den christlichen Glauben zu besuchen. Übers Internet fand er das Angebot eines Alphalivekurses für Fremdsprachige Bern. So kamen wir in Kontakt und nun beten wir gemeinsam, dass seine Weihnachtsgeschichte, die eigentlich eine Kombination zwischen den drei Königen und der Flucht von Maria und Josef nach Aegypten ist, doch noch zu einem Happy-End kommt.
Ein moderner Hirte
Als Jesus in Bethlehem geboren wurde, waren es ausgerechnet die ungebildeten Hirten, die als erster Besuch an der Krippe auftauchten. Ich habe letzte Woche auch so einen Hirten kennen gelernt. Weil er gewünscht hat, hier nicht mit echtem Namen genannt zu werden, nenne ich ihn Mark.
Mark kommt aus Birmingham in England. Weil er als Kind eine Erkrankung des Gehirns durchmachte, konnte er bis zum Alter von 27 Jahren kaum lesen. Einzelne Worte konnte er entziffern und fand sich so im alltäglichen Leben zurecht. Eines Tages schenkte ihm jemand ein neues Testament. Er versuchte die Texte zu lesen, aber es gelang nicht. Entnervt schleuderte er die Bibel quer durch sein Zimmer und sagte zu Gott: „Das ist nichts für mich!“ Einige Wochen später schenkte ihm eine andere Person, die nichts von seinem Erlebnis mit dem neuen Testament wusste, einige Tonbandkassetten mit Texten aus der Bibel. Mark hörte sich die Bänder an. Immer wieder, bis sie nach einem Jahr wegen der Abnutzung zerrissen. Da nahm er die weggeworfene Bibel wieder zu Hand. Als er sie aufschlug war er total überrascht. Er konnte die Texte lesen und die geschriebenen Worte wurden für ihn lebendig. Für ihn war das ein Geschenk Gottes. Gott hatte ihm das Lesen beigebracht!
Der moderne Stern von Bethlehem
Weihnachten passiert jedes Jahr. Nicht immer mit Stern am Himmel, Schafhirten und Reisenden aus dem Osten. Aber doch ganz ähnlich. Bis Weihnachten veröffentliche ich hier eine Kurzserie von aktuellen Weihnachtsgeschichten.
Der Anfang macht Maria. Ich habe sie in einem Deutschkurs kennen gelernt. Sie kommt aus Kolumbien und heisst eigentlich nicht Maria. Aber weil sie hier ungern mit echtem Namen genannt werden will, habe ich ihr diese weihnächtliche Namensänderung verpasst. Maria hat eine Augenkrankheit. Die Ärzte reden von Retinitis Pigmentosa. Durch diese Krankhet verliert sie allmählich ihre Sehkraft. Bei Maria ist es im Moment soweit, dass sie sich tagsüber zwar noch mit Hilfen zurechtfinden kann, aber wenn es dunkel ist, sieht sie kaum mehr etwas. Für sie ist es unmöglich geworden abends alleine aus dem Haus zu gehen. Vor einiger Zeit wurde in einem Kino in Bern ein Spanischer Film gezeigt, den Maria unbedingt sehen wollte. Die Vorführungen waren nur abends, also suchte sie sich eine Freundin, die sie ins Kino begleitete. Niemand hatte Zeit. Maria wollte aber den Film so dringend sehen, dass sie sich alleine auf den Weg machte. Den Weg ins Kino fand sie leicht, denn zu dieser Zeit war es ja noch hell. Sie nahm im Kino platz und hoffte darauf, dass sie jemanden erkennt, der ihr nach dem Film helfen kann. Doch niemand war da. Maria traute sich nicht, einer unbekannten Person von ihrer Schwierigkeit zu erzählen. Sie betete zu Gott und bat um Hilfe. Doch auch nach der Vorführung blieb die Hilfe aus. Da war keine Person um Maria zu begleiten. So machte sie sich selber auf den Weg. Als sie aus dem Kinosaal kam, fiel ihr auf, dass die Treppe, die zum Kino führte, plötzlich hell beleuchtet war. Sie war überrascht und dachte, dass da wohl vorher ein Defekt bei der Beleuchtung war, der repariert wurde. Doch auch auf dem Weg zum Bahnhof fiel ihr auf, dass die Strassen ungewöhnlich hell erleuchtet waren. Sie nahm den Bus und stieg bei der Haltestelle Loryplatz aus. Sie musste über einen schlecht beleuchteten Fussweg nach Hause gehen. Doch an diesem Abend war es anders. Maria konnte den Weg hell und klar sehen. Es war ein Wunder! Maria begann zu weinen vor Freude. In dem Moment dachte sie, dass Gott ihre Augenkrankheit geheilt hatte. Sie ging sicher bis zu ihrem Haus. Als sie vor der Haustüre stand, war das Licht plötzlich wieder weg. Die Krankheit blieb. Aber sie hatte erlebt, wie Gott ihr mit einem Licht den Weg erleuchtete. Dieses Licht war zwar nicht der Stern von Bethlehem - aber doch ganz nahe dran.