Die Notenskala wird umgekehrt
Wir sind in einem Schulzimmer kurz vor den Sommerferien. Die Stimmung ist aufgeregt, denn jetzt werden die Zeugnisse verteilt. Der Lehrer betritt das Zimmer, legt die roten Hefte mit den Zensuren auf das Pult und sagt: "Liebe Schüler, dieses Jahr habe ich die Notenskala umgekehrt. Die mit den guten Noten haben ab sofort die schlechteste Bewertung. Und alle, die bisher immer kurz vor dem Repetitorium standen können aufatmen, ihr seid Spitze!"
Kannst du dir den Tumult in der Klasse vorstellen? Die einen heulen vor Ungerechtigkeit und die anderen können ihr Glück kaum fassen. Die Umkehr der Werte führt zum Chaos.
Genau das hat Jesus gemacht. Der Start in die Bergpredigt ist die Totale Umkehr der Werte:
Zu den Traurigen sagt er: "Ihr seid glücklich!"
Zu den Durchsetzungsschwachen sagt er: "Ihr werdet Grossgrundbesitzer!"
Zu den ungerecht Behandelten sagt er: "Eure Wünsche werden erfüllt!"
Zu denen die Geld verschenken sagt er: "Ihr seid reich beschenkt!"
Zu denen die ehrlich sind sagt er: "Ihr habt Gott zum Freund!"
Zu denen ohne Streitlust sagt er: "Ihr seid Gottes Kinder!"
Und zu denen die ausgegrenzt und misshandelt werden sagt er: "Und ihr seid in Wahrheit am Besten dran!"
(Frei nach Matthäus 5.4-10)
Ulan Bator bis Peking: Zu Fuss!
Die Weltumwanderung von Pesche hat ihn über Russland quer durch China bis nach San Francisco geführt. Hier nun einige Reisedetails vom Weg duch die mongolische Wüste bis zur Chinesischen Mauer.
Die Kälte in der Mongolei. Pesche wandert nachts durch ohne zu schlafen. Das aus gutem Grund. Denn die Temperatur sinkt in der Nacht auf -21° bis -28° C. Und weil das Gehen allein zu wenig Körperwärme erzeugt, hüpft und sprintet er kurze Strecken oder boxt mit seinen Händen in die Luft. Wenn er zu müde wird, verkriecht er sich in einem Abwasserrohr, das unter der Strasse durchführt. Dort ist er windgeschützt und ruht sich ein paar Minuten aus. Geschlafen wird dann aber an der Wärme. Zum Beispiel in den Wartesäälen von Bahnhöfen.

Auf dem Pannenstreifen. Lange Strecken wanderte Pesche den chinesischen Autobahnen entlang. Diese verfügen über einen Pannenstreifen, der aber gerne auch als reserve-Überholspur genutzt wird. Deswegen musste Pesche den auf dem Pannenstreifen entgegenkommenden Fahrzeugen mit einem Sprung über die Leitplanke ausweichen. Kritisch wurde es in Tunneln und auf Brücken. Auf einer 20 Meter hohen Brücke sah Pesche plötzlich drei Camions nebeneinander auf ihn zukommen. Es wurde so eng, dass Pesche mit dem Bauch aufs Brückengeländer lag und beide Beine hochzog. Etwa zehn Meter vorher drückte sich der äusserste Camion so eng ans Geländer, dass ein Scheinwerfer beschädigt wurde. An Pesche rauschte er aber dann vorüber, ohne ihn zu berühren.
Die Chinesische Mauer. Pesche entfernte sich von den gefährlichen Autobahnen und lief weiter über Land in Richtung der Chinesischen Mauer. Der Weg ging über Felsen und durch Dickichte bis an die Mauer. Als er auf die Mauer steigt, ist er plötzlich nicht mehr allein. Dort trifft er auf viele Touristen und mit ihnen auf die westliche Reisekultur. Ein schöner Kontrast. Die meisten kamen per Flugzeug und Reiseleiter. Pesche hingegen alleine zu Fuss.

Pesche lief der Chinesichen Mauer entlang weiter und erreichte am 14.1.2009 Peking. Von dort aus gings per Flieger über den Ozean, wo er am 30.1.09 in San Francisco landet. Dort läuft er nun bei angenehmen 15° bis 20°C weiter. Die Winterausüstung hat er in der Kälte gelassen, oder nach Hause geschickt. Ich mag ihm die Wärme gönnen.
Vom Umgang mit Gott
Meine Grossmutter zupfte sich jeweils die Schürze zurecht und strich mit den Händen durchs Haar, bevor sie das Telefon abnahm. Sie wollte gut aussehen, bevor sie mit anderen Menschen in Kontakt trat - sei es auch nur per Telefonhörer.
Dieses menschliche Grundbedürfnis prägt auch meinen Umgang mit Gott. Ich zupfe mir die Schürze zurecht und kämme meine Haare, bevor ich mit beten beginne. Wenn auch nicht äusserlich, so doch sicher innerlich. Wenn ich mit dem Allmächtigen Kontakt aufnehme, dann will ich doch nicht als erstes meinen gesamten Seelenschrott ausbreiten. Nein, da möchte ich schon meine Sonnenseite präsentieren. Der soll doch auch ein bisschen stolz auf sein Geschöpf sein - hat ja sonst weiss Gott genug Ärger mit seiner Hände Werk!
Sich vor Gott im besten Licht präsentieren. Das ist das Gegenteil von dem was Jesus zu Beginn der Bergpredigt anspricht: "Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind!" Mt 5.3