Enttäuschende Christen
"Gott ist schon ok, aber mit seinem Bodenpersonal kann ich nichts anfangen!" Diesen Ausspruch habe ich schon mehrmals gehört. Ihm liegt das Missverständnis zu Grunde, dass Christsein etwas mit tollen Menschen zu tun hat. Wahr ist das Gegenteil. Die Basis der christlichen Glaubenserfahrung ist die Erkenntnis der eigenen menschlichen Unzulänglichkeit. Christ ist jemand der zugibt, dass er einen Retter braucht. Und ebendies ist das Wunder der biblischen Botschaft. Gottes Liebe hängt nicht von unseren Leistungen ab - sie ist ein Geschenk!
Und falls du zu denen gehörst, die Ärger mit Gottes Bodenpersonal haben, dann schau es mal aus folgender Perspektive an: Was muss das für ein barmherziger Gott sein, dass er solchen Typen eine Chance gibt!
Was ist wichtiger als ein Gottesdienst?
Die grosse Wucht der Bergpredigt macht ihr schonungsloser Umgang mit unserer menschlichen Schwachheit aus. Jesus offenbart unsere Streitsucht. Ohne Schnörkel und ohne Entschuldigung. Recht hat er. Dieses offenbaren der Wirklichkeit ist die Qualität seiner Lehre. Mit der Bergpredigt führt er uns also nicht in eine traumschwangere Utopie, sondern mitten in die Realität des Alltags. So wie es eben läuft, wenn Menschen aneinander geraten.
Doch Jesus lässt uns nicht in der kalten Wirklichkeit stehen. Nein, er wirft uns einen warmen Mantel zu indem er sagt: "Wenn du eine Opfergabe zum Altar bringst und dir fällt plötzlich ein, dass dein Bruder dir etwas vorzuwerfen hat, dann lass dein Opfer am Altar zurück, geh zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst dann bring Gott dein Opfer dar."
Für Jesus ist Versöhnung wichtiger als eine fromme Tat. Sei es Opferdienst zu seiner Zeit, oder sei es der Gottesdienstbesuch, die Hilfeleistung oder der Batzen für die Hungernden heute. Gute Taten und religiöse Leistungen sind nicht gefragt, die Hand zum Frieden auszustrecken hingegen schon!
Jesus sieht klar!
Jesus kennt seine Jünger. Er lässt sich nicht blenden. Dass er das Thema "Streit und Versöhnung" in der Bergpredigt anschneidet ist kein Zufall. Und Jesus soll Recht behalten. In Lukas 22.24 ist beschrieben, wie seine Nachfolger über die Frage, wer unter ihnen der Grösste sei, in Streit geraten. Später streiten sich Paulus und Barnabas mit den Judenchristen in Jerusalem über den Umgang mit jüdischen Riten (Apostelgeschichte 15). Kurz darauf streiten sich Paulus und Barnabas untereinander über den Umgang mir Johannes-Markus. Ebenfalls von Streit berichtet die Bibel zwischen Paulus und Petrus, zwischen Petrus und der Gemeinde in Jerusalem und zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth. Und wenn wir die Kirchengeschichte weiterverfolgen ist die Zahl der Kirchenspaltungen ein Zeichen für den Streit unter Christen. Gab es im 5. Jahrhundert schon vier verschiedene Kirchen waren es Ende des 19. Jahrhunderts schon deren 2000 und Ende des 20. mehr als 34'000. So betrachtet ein recht zerstrittener Haufen, diese Nachfolger von Jesus. Vor diesem düsteren Hintergrund leuchten die Worte von Jesus umso heller, wenn er in der Bergpredigt sagt: "...geh zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm."