2009-06-24

Die grösste Blume

Von PK @ 11:00 [ Bergpredigt ]

Die grösste Blume der Welt heisst "Titanenwurz". In freier Natur kommt sie nur in Sumatra vor, aber man kann sie weltweit in verschiedenen botanischen Gärten beobachten. Zur Zeit steht solch ein Wurz im botanischen Garten in Leiden kurz vor der Blüte. Wahrscheinlich wird er nicht so gross, wie das Exemplar in Stuttgart, das 2005 eine Höhe von 2.94m und einen Umfang von 1.5m erreichte.

 

Was das Blühen dieser aussergewöhnlichen Blume besonders macht, ist die Tatsache, dass das Ereignis nur alle 3 bis 8 Jahre stattfindet und meistens nicht mehr als 24 Stunden dauert. Die besondere Blume macht sich also rar. Lässt mehrere Jahre auf sich warten und nach einem Tag ist der Zauber vorbei. Übrig bleibt ein verwelkter Klüngel.

 

Diese Blume hat mich zum Nachdenken angeregt. Einerseits ist sie ein Zeugnis des Einfallsreichtums des Schöpfers. Es ist kaum zu fassen, was für eine Vielfalt und Kreativität Gott in die Pflanzenwelt hineinlegt. Andererseits ist mir diese Blume zur Warnung geworden. Eine Mahnung dafür, dass Grösse ihren Preis hat. Die grösste Blume zu sein, und dazu noch lange und regelmässig zu blühen, geht offenbar nicht zusammen.

Wie oft lasse ich mich von Grösse blenden. Schaue zu Menschen auf, die mir gross und wichtig erscheinen. Ich stelle mir vor, was das für ein Leben wäre, wenn ich selber berühmt und einflussreich wäre. Und dabei vergesse ich, dass auch menschliche Grösse ihren Preis hat. Und dass auch ein Leben im Rampenlicht seine Schattenseiten hat. Und dass es vielleicht besser wäre, wenn ich mich nicht dauernd mit anderen vergleichen würde. Und wer sagt schon, dass ein Titanenwurz im botanischen Garten wertvoller ist, als die gewöhnlichen Gänseblümchen, die sich die Kinder mit viel Freude in die Haare flechten.

 

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Zum Thema: 

"Versucht nicht immer wieder gross herauszukommen, sondern seid euch auch für geringe Dinge nicht zu schade."

Römer 12.15


2009-06-23

Neue Gefahren

Von PK @ 10:18 [ Bergpredigt ]

Pesche Egger, der daran ist, zu Fuss die Welt zu umrunden, ist mittlerweile in Chicago angekommen. Hier einige seiner Abenteuer, die er auf der Wanderung durch die USA erlebt hat:

Die Polizei kontrolliert ihn ständig und kümmert sich herzlich um ihn. Manchmal bringen sie ihm Etwas zu essen oder fragen, ob sie ihn bis zur nächsten Stadt mitnehmen können. Im Land der unendlichen Landstrassen ist ein Wanderer eine seltene Attraktion. Vor was für Gefahren sie Peter bewahren wollen, ist bisweilen unklar. Auf die Frage, was denn hier so gefährlich sei, antwortete ein Polizist: "Da draussen hat es wilde Pferde - ganze Herden!"

Pesche hingegen bringt sich selber leicht in grössere Gefahren. Zum Beispiel dort, wo ihm ein kilometerlanger Güterzug den Weg abschneidet. Die Motoren der Loks laufen, aber der Zug will und will nicht losfahren. Also klettert Pesche kurzerhand zwischen zwei Waggons und kraxelt auf die andere Seite. Oder da wo er wegen der Hitze am Tag in der Nacht wandert und unversehens in die Nähe einer Goldmine gerät. Dort wird er mit einem roten Lichtpunkt auf der Brust begrüsst - einem Laserpointer aus dem Zielsuchgerät einer Waffe.

Oder an diesem Nachmittag, an dem Pesche des Wanderns müde wird, und beschliesst ein Fluggerät zu bauen. Natürlich geht das - man braucht nur eine baufällige Hütte, ein Schweizer Armeesackmesser und eine grosse Portion Kühnheit. Hier das Abenteuer Schritt für Schritt in Bildern:

Dies ist die baufällige Hütte, die Pesche mit den Bauteilen für seinen Flieger versorgt. Auf dem folgenden Bild das bewährte Armeesackmesser im Einsatz:

 

Die Rohteile vor dem Zusammenbau:

 

Und hier das fertige Fluggerät:

Damit rannte Pesche die steinigen Hügel im Hintergrund hinunter. Das Resultat waren zerrissene Hosen, Schürfwunden und während kurzen Momenten das Gefühl vom Fliegen. Dazu Pesche im Originalton: "Was ist das für ein Leben ohne Träume?"


2009-06-20

Billy Bray, 1794-1868

Von PK @ 08:04 [ Aktuell: ]

Sein Vater starb früh und Billy wurde von seinem Grossvater aufgezogen. Er besuchte keine Schule und konnte weder lesen noch schreiben. Mit 17 zog er aus, arbeitete in einer Mine und begann mit dem Trinken von Alkohol. 1821 heiratete er Johanna und gründete eine Familie. Während dieser Zeit versank er immer tiefer in der Alkoholsucht und vernachlässigte seine Familie. Jede Nacht musste ihn seine Frau von den Pubs nach Hause holen. In der Mine, in der er arbeitete, brach 1823 eine Deckenkonstruktion ein und die herunterstürzenden Teile schlugen nur knapp neben Billy in den Boden ein. Das Wissen, so knapp dem Tode entronnen zu sein, erschütterte sein Leben. Er erkannte, dass sein Leben ein Desaster und sein Herz verloren war.

In einer der darauf folgenden Nächte fand Billy den Schlaf nicht. Seine Sehnsucht nach Gott war grösser. Gegen drei Uhr am Morgen kniete er an seinen Bettrand und begann zu beten. Sein Leben wurde darauf ein anderes. Am nächsten Tag kam er zum ersten Mal nüchtern von der Arbeit nach Hause. Und vom nächsten Zahltag kaufte er sich keinen Alkohol mehr. Mehr noch, eine unbändige Lebensfreude erfüllte ihn von diesem Zeitpunkt an. Er lachte viel, sang und jauchzte oft. Und dazu tanzte er gerne. In den Gottesdiensten seiner Kirche fiel er bald auf, weil er während der Lieder Freudenschreie ausstiess und fröhlich tanzte. Damit eckte er auch an. Viele Menschen pflegten eine eher nüchterne Frömmigkeit. Doch Billy ging seinen Weg. Er lernte lesen und scheiben und wurde sogar ein Prediger in der methodistischen Kirche.

Dort wurde er rasch bekannt als der Prediger, der jauchzt und tanzt. Wenn er gefragt wurde, warum er sich so ungebührlich aufführe, antworte er: „Ich kann nicht aufhören Gott zu loben. Wenn ich die Strasse entlang laufe und den einen Fuss hebe, dann habe ich das Gefühl dass er „Herrlichkeit“ sagt und wenn ich den anderen hebe, höre ich „Amen“. So geht das wenn ich laufe. ... Gott hat mich glücklich gemacht und niemand kann mich traurig machen. Er macht, dass ich jauchze und niemand kann mich daran zweifeln lassen. Er ist es, der mich tanzen und hüpfen lässt, und da ist niemand, der meine Füsse auf dem Boden behalten kann. ... Sogar wenn sie mir die Füsse abschneiden würden, würde ich die Stummel in die Höhe heben!“

Selbst von seinem Sterbebett ist ein Dialog mit dem Arzt überliefert. Nach dem dieser ihm mitgeteilt hatte, dass er nicht mehr lange zu leben habe, sagte er: "Herrlich! Herrlich ist Gott! Bald werde ich im Himmel sein!" Und später sagte er: „Selbst wenn ich nach dem Tod in die Hölle kommen sollte, würde ich dort Gott solange preisen, ... bis es selbst dem Teufel zuviel würde und der zu mir sagen würde, 'Billy, Billy, das hier ist nicht dein Platz: Hau ab in den Himmel! Und dort würde ich dann Gott erst recht preisen!“

 

 


Quellen:

http://www.jonasclark.com/billy_bray.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Billy_Bray



2009-06-19

Die Rache

Von PK @ 08:56 [ Bergpredigt ]

Wer sich ungerecht behandelt fühlt sinnt auf Rache. Wenn der Schiedsrichter für die gegnerische Mannschaft einen Penalty pfeifft, dann ist das doch Grund genug um seinem Wagen die Pneus aufzuschlitzen? Rachegefühle sind nie rational. Und gerecht sind sie erst recht nicht. Der Trieb nach Rache muss niedergerungen werden.

So wie es Billy Bray gemacht hat. Er war vor seiner inneren Umkehr ein schwerer Säufer. Er arbeitete im 19. Jhdt in einer Mine in Cornwall und war nebenher ein guter Boxer. Nach seiner inneren Wende wurde der Friede mit Gott sein Lieblingsthema. Ein anderer Kumpel wollte die Friedfertigkeit des ehemaligen Boxers testen und schlug ihm ohne Anlass mitten ins Gesicht. Anstatt seiner trainierten Reflexe liess Billy diesmal Worte auf den Angreifer knallen. Sie waren: "Möge Gott dir vergeben, wie ich dir vergebe!" - mehr nicht. Und sie wirkten stärker, als es Schläge je getan hätten. Der Angreifer wurde durch die Reaktion Billys so tief berührt, dass er einige Tage später selbst den Weg einschlug, den Jesus in der Bergpredigt verkündigt.


2009-06-18

Auge um Auge

Von PK @ 20:33 [ Bergpredigt ]

Der Grundsatz, dass Verbrechen und Strafe in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen sollen, wurde auf die leicht zu merkende Formel "Auge um Auge, Zahn um Zahn" reduziert. Weder in alttestamentlicher Zeit, noch später wurde dieser Grundsatz in der allgemeinen Rechtssprechung wörtlich angewandt. Im übertragenen Sinn aber gilt er noch Heute: Eine Bestrafung soll keine Rache sein, sondern in einem Zusammenhang mit der Tat stehen. (Falls hier jemand mitliest, der sich in juristischen Dingen besser auskennt, bin ich froh um Korrektur und Ergänzung)

Jesus greift diesen Grundsatz der Rechssprechung in der Bergpredigt auf und weist darauf hin, dass wahre Gerechtigkeit darüber hinaus geht. Wenn jeder kriegt, was er verdient, sind alle arm dran. Das rechthaberische Pochen auf ausgleichende Gerechtigkeit kennt kein Ende. Es ist eine abwärts-Spirale, die nur Verlierer kennt. Der Ausweg ist die Haltung, die dem Anderen die Hand bietet. Im Verzicht auf die eigenen Ansprüche öffnet sich die Tür zum Neuanfang. Man muss sich auch mal was gefallen lassen und dabei nicht die Nerven verlieren. Oder wie es Jesus in der Bergpredigt ausdrückt: "Wenn man dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin!" (Matthäus 5.39)


2009-06-16

Von der Defensive in die Offensive

Von PK @ 10:40 [ Bergpredigt ]

Von Vers 21 bis 38 im Kapitel 5 des Matthäusevangeliums spricht Jesus von Dingen, die wir nicht tun sollen. Wer die Bergpredigt nur bis zu dieser Stelle liest, könnte zur Auffassung kommen, dass es Jesus darum geht, die Menschen vom bösen Tun abzuhalten. Beim Christsein ginge es bei dieser Auffassung darum, das Schlechte zu vermeiden. Es wäre eine Religion, die aus lauter „Du sollst nicht...“ bestünde.

Der ideale Christ wäre jemand, dem es gelingt, möglichst nichts Falsches zu tun. Und um sicherzugehen würde man dann am Besten gleich gar nichts mehr tun. Ein Christ würde dem Kaninchen ähneln, das beim Anblick der Schlange erstarrt und sich nicht mehr vom Fleck bewegt. Wenn Christ sein bedeutet, nichts Falsches zu tun, dann wäre das Faultier, das den ganzen Tag im Baum hängt und darauf wartet, dass ihm eine Frucht in den Mund fällt, der beste Christ.

Das ist kein Leben - und erst recht kein christliches. Jesus predigt weiter. In Vers 39 kommt eine ganz entscheidende Wendung. Im ersten Teil des Verses sagt und Jesus, dass wir dem Bösen nicht widerstehen sollen - wieder ein „Du sollst nicht...“. Aber im zweiten Teil des gleichen Satzes weht ein neuer Wind. Dort steht: „Wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ Jesus fordert uns hier heraus, etwas unerwartet Neues zu tun. Nicht zurückzuschlagen ist eine passive Haltung, die andere Wange hinzuhalten ist aktiv. Wer einen Schlag einsteckt und daraufhin so reagieren kann, wie es Jesus hier sagt, muss Mut haben. Jesus schlägt den Wechsel von der Defensive in die Offensive vor. Christsein bedeutet nicht nur Rückzug, sondern auch Angriff.

 


2009-06-11

Ein Herzensentscheid

Von PK @ 06:58 [ Bergpredigt ]
Das Glück in der Liebe hängt nicht von deinem Aussehen, deinem Wesen, oder deiner Geschichte ab. Es kommt darauf an, wofür du dich entscheidest. Zwei Wege stehen offen: Isolation oder Einheit. Entschieden wird mit dem Herzen. Das macht Jesus deutlich, wenn er in der Bergpredigt über Ehebruch spricht. Ihm geht es nicht um den Scherbenhaufen am Ende, sondern um die Haltung des Herzens, die ganz am Anfang steht. Er sagt: "Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen." (Matthäus 5.28)

2009-06-09

Einheit oder Isolation?

Von PK @ 09:34 [ Bergpredigt ]

Nebst meinen hemdsärmligen Grafiken gibt es auch fundiert wissenschaftliches zum Thema. Zum Beispiel eine Studie von Dr. Wolfgang Mathias an der Uni Köln aus dem Jahr 2002, die aufzeigt, dass Partner, die zum zweiten Mal eine Ehe eingehen mit 38% höherer Wahrscheinlichkeit auf einen weiteren Misserfolg zusteuern. Das ist nicht lustig und ich wünsche niemandem, dass er zu denen gehört, die am Ende vor dem Scherbenhaufen stehen. Deswegen schreibe ich hier von diesen Dingen. Weil ich glaube, dass die Ehe noch nicht verloren ist. Dass der Weg zur Einheit möglich ist. Und dass eine erfüllte Partnerschaft kein Wunschtraum bleiben muss.

Am Anfang steht eine Entscheidung. Wohin soll die Reise gehen. In Richtung Einheit, oder Isolation? Der Weg zur Einheit wird kein leichter sein. Aber ehrlich - gibt es eine Alternative?

 


2009-06-06

Der Weg zur Einheit

Von PK @ 11:37 [ Bergpredigt ]

Es ist so: wir sind uns wesensfremd. Oder wie es John Gray ausdrücken würde: „Männer sind anders. Frauen auch“

Um zur Einheit zu finden, müssen wir zusammen reden. Am Anfang ist der Gesprächsbedarf riesig. Mit der Zeit geht's leichter. Es kostet aber Kraft, Schweiss und eine Hingabe, wie sie selten unter Menschen zu finden ist.

 

Neben diesem schwierigen Weg zur Einheit lockt ewig der schnelle Ausstieg. Die Idee, dass es mit einem anderen Partner einfacher wäre. Hier dargestellt, mit den beiden Pfeilen, die von der Einheit weg führen.

 

Doch was eine Entspannung verspricht führt zu grösserer Distanz. Wer sich einen anderen Partner wünscht, erhält als Resultat eine grössere innere Distanz zum aktuellen Partner. Der Gesprächsbedarf wächst zunehmend und damit auch der Wunsch auszusteigen.

 


2009-06-05

Von PK @ 05:51 [ Bergpredigt ]

„Il y a l'amour. Et puis, il y a la vie, son ennemie.“ (Da ist die Liebe. Und dann ist da das Leben, ihr Feind.) Dieses Zitat von Jean Anouilh gibt Antwort auf die Frage, warum die Geschlechter nicht miteinander auskommen. Da kommt einfach immer etwas dazwischen!

Nehmen wir zum Beispiel die unterschiedliche sexuelle Erregbarkeit von Männern und Frauen (klar hätte ich hier als Beispiel auch das Gesprächsverhalten nehmen können – aber da liest ja niemand weiter). Im Allgemeinen kommt ein männlicher Körper schneller zum Orgasmus als sein weibliches Pendant.

 

In dieser Grafik stellt der Pfeil den maskulinen und die Welle den femininen Weg zum Ziel dar. Horizontal liegt die Zeitachse und vertikal lässt sich die Wucht der Erregung ablesen. Zuerst wird deutlich, dass die weibliche Strategie reichhaltiger in Dauer und Volumen ist. Darum soll es aber hier nicht gehen. Sondern darum, dass auf der Zeitachse zwischen dem männlichen und dem weiblichen Höhepunkt eine Lücke klafft. Hier dargestellt mit den violetten Pfeilen.

 

Diese Lücke nennen wir: Gesprächsbedarf.


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